31 Jul

Es lebe die Kontroverse!

Mit Spannung verfolgen wir die Diskussionen, die unsere Kampagne in den letzten 48 Stunden ausgelöst hat. Den Anstoß gab ein Artikel in der Zeit, in dem Kritiker zu Wort kamen, die den „klamaukigen“ Charakter von „Studieren in Fernost“ bemängelten. Die Kampagne käme ohne Inhalte aus und erfülle das Informationsbedürfnis junger Menschen nicht. Immerhin sei aber die Zahl der gewonnenen Interessierten erfreulich. Richtig, denn darum geht es am Ende.

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Das mit den Informationen sehen wir natürlich anders, denn wir liefern sie. Diese Einschätzung teilen auch andere mit uns. Spiegel Online zum Beispiel. Denn einen Tag später wurde „Studieren in Fernost“ dort gänzlich anders beurteilt.

Aber seitdem geht es im Forum auf der SPON-Website richtig zur Sache. Die Einträge beweisen, dass „Studieren in Fernost“ einen empfindlichen Nerv trifft. Während sich viele für ein Studium in den neuen Bundesländern aussprechen und als Trümpfe unter anderem das reiche kulturelle Angebot, niedrige Lebenshaltungskosten und gute Studienbedingungen anführen, werden als Argumente gegen den Osten landläufige Vorurteile wie „hässliche Dialekte“ und „alles Glatzen da drüben“ vorgebracht. Dies zeigt einmal mehr, dass im deutsch-deutschen Verhältnis immer noch einiges im Argen liegt.

Der erste und wichtigste Schritt ist jedoch getan: Wir haben die Leute aus der Reserve gelockt – und sie diskutieren in zwei der wichtigsten bundesdeutschen Medien über Ostdeutschland. Um es mit einem amerikanischen Kirchenmann aus dem 19. Jahrhundert zu sagen: „No great advance has ever been made in science, politics, or religion, without controversy.“ Und genau deswegen laden wir auch weiterhin zum Dialog ein und werden hier auch nicht, wie heute befürchtet, Kommentare löschen.

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  1. dr. urs wilderer schreibt am 31.07.2009:

    wenn die bodenlose blödheit einer werbung als provokation begriffen wird, ist das sehr traurig. die kampagne ist in der tat mehr als peinlich, dazu rassistisch und schlichtweg hohl. das kommt davon, wenn man leute wie scholz&friends (ohnehin nicht gerade für werbung mit tiefgang bekannt) auch noch an bildungsrelevante themen heranlässt. ein weiterer meilenstein im bologna-schlamassel!

  2. Christof für das Team Fernost schreibt am 31.07.2009:

    Sehr geehrter Herr Dr. Wilderer,

    wie sehr Werbung provozieren kann, zeigt Ihre Reaktion. Da haben wir offenbar einen guten Job gemacht. Sehr schade ist natürlich, dass Sie sich durch unsere Kampagne zu Beleidigungen hinreißen lassen. Aber das müssen Sie mit sich ausmachen. Steigen wir also in einen Dialog ein, wenn dieser erwünscht ist.

    120.000 Filmviews, fast 30.000 Fernost-Fans im schülerVZ, über 3.000 junge Leute, die nach Leipzig möchten, fast 3.000, die nach Rostock wollen. Und was ist mit denn über 2.500 Schülerinnen und Schüler, die in Jena ihr Studium beginnen möchten. Alle hohl? Alle blöd?

    Ich würde Sie einfach bitten, sich mit der Mechanik der Kampagne vertraut zu machen. Dann können wir gerne mit Tiefgang über Tiefgang debattieren. Alle Infos finden Sie hier:

    http://www.hochschulinitiative.de/content/de/kampagne/massnahmen.html

    Ihr Team Fernost

  3. Jule schreibt am 01.08.2009:

    Man kann über Geschmack ja bekanntlich streiten… (Mir gefällt’s übrigens zum größten Teil. Ich bin nicht mehr Teil der Zielgruppe (habe an West-FH und Ost-Uni studiert und arbeite inzwischen an einer Uni im Ausland), denke aber, dass die Aktion durchaus gut ankommt. Und die Zahlen scheinen es ja zu bestätigen.)
    Aber eines ist mal klar, wer richtig schlecht wegkommt in diesen Filmen, sind ganz eindeutig die offizelle Vertreter der Unis. ENTSPANNT EUCH MAL! Studieren darf ruhig auch mal Spass machen (da lernt sich’s auch gleich besser!) und außerdem muss man generell nicht alles so verbissen sehen im Leben. Ihr unterschätzt die meisten Abiturienten/zukünftigen Studenten, wenn ihr annehmt, dass diese nicht zwischen Ironie und Realität unterscheiden können!

    Mich wundert nur eines: Musste es ein Budget von1 Million EUR sein? Kommt mir ein bisschen viel vor. Da hat sich wohl einer mal wieder einen netten Bonus gegönnt… ;-))

  4. Jule schreibt am 01.08.2009:

    Ooops, muss natürlich 10 Millionen heissen… Um so schlimmer.

  5. Hartmut schreibt am 03.08.2009:

    Zuerst: Eine Werbekampagne für ostdeutsche Hochschulen ist gut. Strittig ist das wie. Wenn hier ein Stil „Der Zweck heiligt die Mittel“ vertreten wird ist das nicht nur zweifelhaft. Wir bewegen uns dann auf dem Niveau bestimmter Fernsehsender, die für Einschaltquoten fast alles machen. In vielen Studiengängen wird der Versuch unternommen, Medienkompetenz (das heißt nicht nur Umgang mit Medientechnik) zu vermitteln – diese Kampagne führt dieses Bemühen ad absurdum. Vielleicht wäre es besser gewesen, für die 10 Mio. Euro Mitarbeiter aller Medien durch den Osten zu führen, um ihnen die Kenntnisse zu vermitteln, die für die Darstellung eines realen Ost-Bildes notwendig sind.

  6. Ferdy schreibt am 03.08.2009:

    …bei aller Kritik am Stil der Kampagne muss man sich fragen, ob eine seriöse und “langweilige” Machart die gleiche Kontroverse und Diskussion ausgelöst hätte - wahrscheinlich nicht. Und damit ist doch da Ziel schon erreicht.

  7. beate schreibt am 03.08.2009:

    staub aufwirbeln schön und gut…
    ich verfolge die kampagne seit einigen monaten. leider kann ich die euphorie, die hier seitens der werbenden verbreitet wird, nicht gänzlich teilen. ich liege selbst ca. 10 jahre über der anvisierten zielgruppe, tue mich aber, trotz einer affinität zu bunten und fernöstlichen dingen, sehr schwer mit der art und weise der inhaltsvermittlung. ich denke die großen ostdeutschen hochschulen wie z.b. leipzig profitieren ganz klar von der kampagne. ich kann mir aber auch vorstellen, dass diese auch ohne die kampagne keine schwierigkeiten gehabt hätten, ihre hörsäle zu füllen. schwieriger stelle ich es mir bei den kleineren und unbekannteren hochschulen vor. dort kommt von der kampagne nicht wirklich spürbar etwas an. etwas dürftig für eine aktion, die ja eigentlich alle hochschulen “verkaufen” soll.
    zurück zum staub aufwirbeln. die argumentation, dass das auslösen von kontroversen und diskussionen schon allein das ziel erreicht, klingt mir doch sehr nach der argumentation, mit der noch vor ein paar wochen die vodafone-kampagne gerechtfertigt wurde. das allein reicht nunmal nicht.
    ich persönlich hoffe, die kampagnenbetreiber haben noch viele aktionen geplant, um sie aus dem hut zu zaubern. leider kommt es mir so vor, als ob momentan immer das selbe kaninchen dabei rauskommt.
    macht was draus, aber ruht euch nicht auf “zahlen” aus.
    ps: ein angeklickter gang&dong-film macht noch keinen immatrikulierten studierenden!

  8. Mr. G schreibt am 13.08.2009:

    Vor dieser Kampagne stehen alle, die über 20 sind, wie ihre eigenen Großeltern vor deren erster SMS. Das möchte man sich natürlich ungern zugestehen. Wie funktioniert die Kampagne? Was ist eigentlich StudiVZ und hätte man nicht auch mit einem Vortrag über aktuelle Forschungsinhalte und überfüllte Hörsäle die Zielgruppe für ostdeutsche Unis interessieren können?
    Die Zielgruppe weiß genau, wo die Ironie der Kampagne steckt - und ist darob begeistert.
    Andere erkennen das nicht. Müssen sie auch nicht, sollen ja auch nicht angesprochen werden - haben ja auch schon einen Doktortitel - sind eine andere Zielgruppe. Eher zu begeistern für handgeschöpfte Siebdruckplakate. Doch leider gesteht sie sich nicht ein, dass sie etwas nicht versteht.

  9. supermic schreibt am 14.08.2009:

    wir werden sehen, was hinterher bei rumkommt. mein geschmack ist es nicht, aber ich bin auch nicht die zielgruppe. die wahl einer hochschule ist ja nicht der kauf eines schokoriegels. und nicht jedes darstellen einer wirklichkeit, die nicht existiert, ist richtig sinnvoll, um eine handlung hervorzurufen. letztendlich entscheiden dann andere faktoren als “bunt und laut”, ob ich mich an einer hochschule einschreibe. aber aufmerksamkeit hat die kampagne schon erzeugt. bin gespannt, was die erfolgskontrolle in ein paar jahren sagt! und wünsch den ost-hochschulen alles gute - sie haben es nämlich verdient! eigentlich eine schande, dass sie so eine laute marktschreierei überhaupt nötig haben ….

  10. Kitkat schreibt am 17.08.2009:

    Beate schrieb (a propos große Unis):

    “ich kann mir aber auch vorstellen, dass diese auch ohne die kampagne keine schwierigkeiten gehabt hätten, ihre hörsäle zu füllen.”

    Ahso, d.h. CocaCola kann sich die alljährlichen Sommer- und Weihnachtskampagnen schenken, weil sie eh ne große Firma ist und keine Schwierigkeiten haben wird, ihre Produkte zu verkaufen. Jedes Produkt braucht Werbung, auch Bildung! Bei den ostdeutschen Unis sind es die nächsten 5 Jahre Gang&Dong und danach versuchen wirs mit “handgeschöpften Siebdruckplakaten” (Mr G.: :*********)

  11. Supermic schreibt am 18.08.2009:

    coca cola ist ja auch ein produkt, das die welt eigentlich nicht braucht. oder hängt der weltfrieden von sprudelwasser ab? bildung braucht jeder. irgendwie. und außerdem braucht nicht jedes produkt werbung, tolle angebote sprechen sich auch manchmal so herum, ohne dass fette kampagnen geschaltet werden.

  12. Nathan schreibt am 19.08.2009:

    Wer nicht wirbt, der stirbt!
    Wer nicht Selbstversorger ist oder kategorisch nicht kauft, was beworben ist, lässt sich sicherlich - bewusst oder unbewusst - bei 50% seiner Entscheidungen (wilde aber eher konservative Schätzung von mir) von Werbung bzw. viel mehr vom Marketing (Die 4 Ps - einfach selbst recherchieren; Tipp: das Produkt ist nur eins davon) in seinen (Kauf)Entscheidungen beeinflussen.
    Wer dazu genauere Zahlen oder Forschungsergebnisse hat, her damit!

  13. FH Erfurt schreibt am 19.08.2009:

    ich denke, es ist wichtig auch für bildung zu werben. schließlich gibt es auch dort differenzierungsmöglichkeiten. die hochschulen sind ja nunmal nicht alle gleich, sondern jede hat ihre besonderen angebote oder merkmale.
    ob die kampagne es schafft, das auch alles rüber zu bringen, wird man sehen. wir als eher kleine fachhochschule gehen in diesem konglomerat aus 44 hochschulen vielleicht etwas unter.
    hier bin ich sehr gespannt, was die kampagne in zukunft noch leisten kann bzw. wird.
    ich würde mir jedenfalls wünschen, dass auch die kleinen hochschulen mehr von der kampagne profitieren können als bisher.

  14. Martin schreibt am 10.02.2010:

    Naja, mir hat das Filmchen nicht gefallen. Irgendwie hohl und tatsächlich informationslos. Über die Vorteile des Studierens in Ostdeutschland hätte ich gerne mehr erfahren.
    Und : Ist es für zwei Asiaten nicht sehr gefährlich, sich in Ostdeutschland rumzutreiben ? No-Go-Areas und ähnliche Schönheiten des Landes machen das doch sicherlich riskant.
    Genau gegen dieses Image sollte man mal vorgehen, wenn man mehr Studenten anziehen möchte. Aber ist es tatsächlich nur ein negatives Image ?

  15. manmanman schreibt am 20.04.2010:

    Die Kampagne ist hammer! sobald etwas heiß diskutiert wird, ist es ein Erfolg und so bringt auch diese zum Teil schlechte Publicity jeder ostdeutschen Uni etwas. Ach übrigens: Wenn sich ein Produkt herumspricht, kannst du dir sicher sein, dass dies ebenfalls ein Teil der Werbestrategie ist, man nennt es Viral. Mach die Augen auf, denn mich würds nicht wundern, wenn selbst der erste hier gepostete Kommentar Teil der Strategie war, um diese Diskussion anzutreiben.
    Grüße von der Marketing-Uni aus dem Westen.

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