Wie werde ich... Rechtsmedizinerin? Anne Bittorf (Uni Rostock) auf dem Weg zu ihrem Traumberuf
5 Jahre Weiterbildung, noch 286 Obduktionen und die Facharztprüfung – dann kann sich Anne Bittorf Fachärztin für Rechtsmedizin nennen. Mit dem Studium ist die Rostockerin zwar schon seit April 2010 fertig, doch wer Facharzt werden will, braucht einen langen Atem – egal, ob die Wahl dabei auf Chirurgie, Orthopädie oder Rechtsmedizin fällt. Im Fall von Anne Bittorf gehören zusätzlich zur fünfjährigen Weiterbildung außerdem 500 Obduktionen zu den Prüfungsvoraussetzungen.

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- Im Sektionssaal der Uni Rostock.

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- Konzentriert bei der Arbeit
Mit dem Tod werden Medizinstudenten schon sehr früh konfrontiert: Im zweiten Studienjahr, erinnert sich die derzeitige Assistenzärztin, sah sie im anatomischen Präparierkurs die erste Leiche. Im dritten Studienjahr erlebte sie dann in einer Pathologie-Vorlesung die erste, sogenannte „Demo-Sektion“. Doch zwischen ihr und dem Leichnam gab es noch eine Scheibe.
„Die erste ,richtige’ Obduktion war dann ein Schock“, berichtet die 26-Jährige rückblickend. Damals war sie im sechsten Studienjahr und hatte sich gerade für Rechtsmedizin als Wahlfach im Praktischen Jahr entschieden. Ihr erster Fall – eine Frau, die plötzlich kollabierte und an einer Lungenembolie starb – stellte sich ganz anders dar als erwartet: Das Sezieren und Untersuchen war längst nicht so sauber und steril wie im Fernsehen. „Wenn der Schädel geöffnet wird, verlassen Zuschauer wie Juristen, Polizisten oder Jungmediziner regelmäßig den Saal“, erzählt Anne Bittorf.
Ein gesunder Abstand ist wichtig.

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- Entspannen am Rostocker Hafen
Wie gehen Rechtsmediziner mit der täglichen Konfrontation mit dem Tod um? „Besonders abgebrüht muss man für diesen Beruf nicht sein, aber ein gesunder Abstand ist wichtig“, rät Anne Bittorf. „Und dieser Schutzwall sollte ein Leben lang halten.“
Ihr persönlicher Ausgleich zum Beruf heißt Arvid und ist drei Jahre alt. Ihrem Sohn hat sie bereits behutsam erklärt, was es mit ihrer Arbeit auf sich hat. Jetzt sagt der Kleine mitunter, wenn es einmal später wird: "Mama, jemand gestorben?"
Für die seelische Balance sorgt außerdem ein Projekt, das der jungen Frau besonders am Herzen liegt: eine Ambulanz für Opfer von körperlicher Gewalt . Denn eines unterscheidet sich beim Rechtsmediziner grundlegend vom Selbstverständnis der Ärzteschaft: Er heilt nicht. In diesem Projekt können Anne Bittorf und ihre Kollegen Menschen trotzdem direkt helfen.
Morgens um 7 auf dem Friedhof...
Im Unterschied zu Pathologen untersuchen Rechtsmediziner Todesfälle mit rechtlicher Fragestellung: vom Autounfall bis hin zum Mord. Zu ihren Aufgaben gehört es, Leichen zu identifizieren und zu klären, ob eine natürliche Todesursache vorliegt oder eben nicht. Jede Obduktion hat einen strafrechtlichen Hintergrund und ist Teil eines Ermittlungsverfahrens.
Ein typischer Tag von Anne Bittorf beginnt gegen 7 Uhr morgens im Krematorium auf dem Friedhof mit mehreren Leichenschauen. „Das ist schon ein bisschen unheimlich", gesteht die 26-Jährige. Danach geht es meistens ins Institut oder direkt in den Sektionssaal. Neben den Obduktionen spielt jedoch auch Büroarbeit eine große Rolle: Gutachten und wissenschaftliche Fachartikel machen einen großen Teil des Alltags aus. Langweilig wird es dabei nicht. „Ich kann nie vorhersehen, was im Laufe eines Arbeitstages passiert", sagt Anne Bittorf.
Rechtsmediziner machen nicht alles
Wer sich für die Fachrichtung Rechtsmedizin interessiert, sollte sich nicht von Serien wie CSI blenden lassen, empfiehlt Anne Bittorf. Zu den größten Irrtümern zähle, dass Rechtsmediziner alles können und alles übernehmen: vom Fingerabdruck bis zur Zeugenbefragung. Die Realität sieht jedoch anders aus. Viele Menschen sind am Tatort im Einsatz – von Kriminaltechnikern und -polizisten bis hin zu Staatsanwälten. „Rechtsmediziner übernehmen am Tatort vor allem die Todeszeitschätzung und geben ein erstes Statement zum äußerlich sichtbaren Befundmuster ab. Alles Weitere wird im Sektionssaal beurteilt und dokumentiert“, erklärt Anne Bittorf.
Für alle, die mit dem Gedanken spielen, selbst Rechtsmediziner zu werden, hat die Rostockerin noch einen Tipp:
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„Ich empfehle allen, frühzeitig einen Rechtsmediziner einen Tag lang bei der Arbeit zu begleiten, möglichst bereits zu Beginn des Studiums. Aber spätestens, wenn man sich im Praktischen Jahr für die Rechtsmedizin als Wahlfach entscheidet, findet man heraus, ob dieses Gebiet das Richtige ist.“
Anne Bittorf (26) macht derzeit ihre Facharztausbildung an der Uni Rostock.
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