Profs & Projekte Die Grundlagen der Gegenwart
Immanuel Kant gilt als einer der wichtigsten Denker der Aufklärung. Er behauptete die Autonomie der Vernunft, den freien Willen und die Verantwortung für das eigene Handeln. Doch war das alles?

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- „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ (Immanuel Kant)
- © Alexander Karasek
„Heute sehen viele das 18. Jahrhundert lediglich als Zeitalter der Vernunft“, sagt Alexander Schmidt, Juniorprofessor für Intellectual History, über seinen Forschungsschwerpunkt. „Eine genaue Lektüre der Texte führt zu einer anderen Interpretation, etwa, dass sich die Aufklärer mindestens genauso für Gefühle und Leidenschaften interessierten. Aus ihrer Analyse konstruierten sie etwa die Prinzipien der Marktwirtschaft als einem von Selbstliebe gesteuerten System.“
Die kritische Analyse von Texten und Debatten in ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen ist die Grundlage für das Studienfach. „Es gehört Neugierde dazu, die Antworten früherer Denker auf die Herausforderungen ihrer Zeit zu verstehen und dabei auch unterlegene Positionen auszugraben, die eine vergessene Alternative zu heute als unangefochten geltenden Dogmen bieten“, so der 35-Jährige. Sein Ziel ist es, Autoren vor allem als Zeitzeugen zu lesen, in deren Texten die drängenden Fragen ihrer Zeit verhandelt werden.
„Die Vergangenheit liefert daher die Voraussetzungen für eine kritische Hinterfragung dessen, was uns als selbstverständlich erscheint“, sagt Professor Schmidt. Auch deshalb sitzen in seinen Kursen nicht nur Studierende der Neuen Geschichte, sondern auch der Philosophie, Literatur- und Politikwissenschaften. „Für jeden, der einen Einstieg in Intellectual History erhalten möchte, empfehle ich Robert Darntons Essay ‚George Washingtons falsche Zähne oder noch einmal: Was ist Aufklärung?’.“
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„Zahlreiche gesellschaftliche Probleme wie soziale Ungleichheit oder die Frage der Menschenrechte beschäftigten schon unsere Vorfahren. Aus ihren Diskussionen und Beweggründen für die verschiedenen Positionen können wir auch heute lernen.“
Alexander Schmidt, Juniorprofessor für Intellectual History an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
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