Wahr oder falsch? Im Osten gibt es nur Plattenbauten.
„Ja, und?“, sagen viele Ostdeutsche älteren Semesters. „Stimmt nicht!“, sagen wir. Gut ist, dass alle Recht haben. Denn neben der Platte gibt es auch Wagenburgen und Fertighäuser. Und natürlich wunderschöne Altbauten.
Dennoch, aus einem unerklärlichen Grund hat sich die Platte in unsere Köpfe gebrannt – Osten gleich Beton. Da drängt sich die Frage auf: Kann es an diesem Ort ein ehrliches Glück geben?
Doch fangen wir mit einem Blick in die Geschichte an – Alter vor Schönheit. Dafür fragen wir jemanden, der es wissen muss, den Chefredakteur der SUPERillu, Jochen Wolff: „Die Menschen im Osten liebten ihr Platte und empfanden sie ganz und gar nicht als trist. Im Gegenteil: Wer in einer Großwohnsiedlung lebte, genoss sogar ein gewisses soziales Prestige, verfügte über ein eigenes Badezimmer und eine Heizung.“
Plattenbau Dresden
Die Platte war zu DDR-Zeiten besonders attraktiv – und bleibt es bis heute. Einen Beweis dafür gibt es beispielsweise in Dresden. Sechs mehrgeschossige Studentenwohnheime ragen in den Himmel. Von Satellitenschüsseln keine Spur, aber hier wird ja auch gelernt. Den Plattenbauten wurde im Zuge der Sanierung ein bisschen Farbe verpasst: rot, blau und – der Ostalgie zuliebe – ein kräftiges Maus- und Steingrau. Auch innen geht es bunt zu. Fünfzehn Stockwerke werden zum Schmelztiegel verschiedener Kulturen – von „Ossis“, „Wessis“ und jeder Menge anderer Nationalitäten. Es gibt ihn also doch, den platten Charme der Betonriesen – ehrlich, direkt und zumeist mit einer phänomenalen Aussicht.
Plattenbau Halle
Ein wahres Objekt der Begierde ist auch das Studentenwohnheim am Weinberg Campus in Halle (Saale). In unmittelbarer Nachbarschaft zu Uni, Mensa und Studentenwerk ist die frisch sanierte Platte ein lebens- und liebenswerter Ort für all jene, die sich in Gesellschaft wohl fühlen. In den modernen Appartements steht jedem Bett, Schrank und Schreibtisch zur Verfügung, und in den gemeinschaftlichen Küchen werden kulinarische Köstlichkeiten aus allen Herren Ländern zubereitet. Das Schöne auch an diesem Riesen ist nicht sein eigenes Gewand, sondern die unverwechselbare Aussicht. Denn wo sonst haben wir die Chance, den Horizont vom Bett aus zu sehen?
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