Frage des Monats Woran erkenne ich einen guten Dozenten?
Rhetorisches Geschick, ein hoher Anspruch oder eher softe Prüfungen? Was zeichnet einen guten Dozenten aus?

- Zoom
- „Meist sind es die unbequemen Lehrveranstaltungen, bei denen man viel lernt. Studierende erkennen dann oft erst viel später, was ihnen die Veranstaltung gebracht hat“, meint Diplom-Psychologin Anja Vetterlein von der Friedich-Schiller-Universität Jena.
- © neelz / photocase.com.jpg
Gerade als neuer Erstsemester an der Uni angekommen überfordert einen die Masse an Vorlesungen und neuen Namen oft. Schnell hört man von verschiedenen Seiten, dass Professor X gut ist, Professor Y gute Noten vergibt und dass man sich bei Professor Z in der Vorlesung zurücklehnen kann. Aber was macht einen guten Dozenten wirklich aus? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Zwar kann man Einschätzungen anderer Studenten einholen oder auch Bewertungsseiten wie www.meinprof.de zu Rate ziehen, aber kann das wirklich etwas darüber aussagen, ob ein Dozent gut ist?
„Gute oder schlechte Lehre gibt es nicht, sondern Lehre entsteht durch das Zusammenspiel vieler Faktoren, wie zum Beispiel dem Kontakt zwischen Dozent und Student, den Erwartungen und auch dem Kompetenzerwerb des Studenten“, sagt Diplom-Psychologin Anja Vetterlein von dem Universitätsprojekt Lehrevaluation an der Friedich-Schiller-Universität Jena. Das Projekt beschäftigt sich schon seit 1997 mit der Frage der Qualitätssicherung und -verbesserung an der Universität. Nach ihrer Einschätzung können Portale wie www.meinprof.de da nicht wirklich weiterhelfen: „Es wird mit einem viel zu knappen Online-Formular gefragt, das keine wissenschaftliche Grundlage hat. Außerdem kann es von jeder Person ausgefüllt werden, ohne konkret zu wissen, ob diese Person an der Veranstaltung teilgenommen hat.“ Auch die Einschätzungen anderer Studenten können problematisch sein: „Ein Merkmal einer guten Vorlesung ist, wie viel man als Student mitnimmt. Meist sind es jedoch eher die unbequemen Lehrveranstaltungen, für die man viel Zeit und Selbststudium investieren muss, bei denen man viel lernt. Studierende erkennen dann oft erst viel später, was ihnen die Veranstaltung gebracht hat.“
Auch wenn vieles vom Studenten und seiner Bereitschaft zu lernen abhängt, gibt es einige Faktoren, die einen mittelmäßigen von einem sehr guten Dozenten unterscheiden. „Das umfasst viele Facetten, zum Beispiel die Strukturierung und Vermittlung von Inhalten, Hilfsbereitschaft, Begeisterung für die Wissenschaft oder Bereitstellung von Lerngelegenheiten. Eine festgelegte Definition eines guten Dozenten gibt es jedoch nicht“, erläutert Diplom-Psychologe Erik Sengewald, der ebenfalls bei dem Universitätsprojekt Lehrevaluation der Friedich-Schiller-Universität Jena arbeitet.
Wie die Beziehungen zwischen Dozenten und Studenten sind und welche Anforderungen an „gute“ Dozenten gestellt werden, ist auch vom Fachbereich abhängig. So wird in einigen Fachbereichen ein wesentlich offenerer und persönlicherer Umgang mit den Studenten gepflegt, während an anderen Fachbereichen der Kontakt distanzierter ist. Was einem da lieber ist, ist wiederum Geschmackssache. Insgesamt bleibt jedoch für viele Erstsemester die Erkenntnis: „Man kann sich seine Dozenten meist aufgrund der Studienordnung sowieso nicht aussuchen. Da hilft nur, die Dozenten so zu nehmen, wie sie sind und die angebotenen Lerngelegenheiten für sich im Selbststudium zu nutzen. Denn noch mehr als der Dozent ist der Student für das verantwortlich, was er in einer Veranstaltung lernt“, erklärt Anja Vetterlein.
Studieren in Fernost
Hochschulinitiative Neue Bundesländer