Individuelle Betreuung Persönlicher Kontakt trotz Massenuni?
2.217.604 Studenten sind im Wintersemester 2011/2012 an deutschen Hochschulen eingeschrieben – so viele wie nie zuvor. Stellt sich die Frage, ob eine individuelle Betreuung bei dieser beeindruckenden Zahl überhaupt noch möglich ist. Mit dem richtigen Konzept sehr wohl, lautet die Antwort. Professor Hans Lilie vom Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsvergleichung und Medizinrecht der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg führt es seit vier Jahren vor.

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- Prof. Lilie kennt die Namen seiner Studenten.
- © Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Für den Fachbereich Jura der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gab es im letzten CHE-Hochschulranking Bestnoten, in der Kategorie „Betreuung durch Lehrende“ gehört er zur Spitzengruppe. Seit mehreren Jahren führt das dazu, dass immer mehr Studienanfänger nach Halle wollen, um Jura zu studieren. Wie schafft es der Fachbereich dennoch, die gerühmte individuelle Betreuung zu gewährleisten?
Jura-Professor Hans Lilie hat nach wie vor den Anspruch, dass seine Studenten mehr sind als eine Matrikelnummer. Vor allem die Betreuung der Erstsemester wird hier groß geschrieben. Die Studienanfänger erhalten daher zunächst eine Broschüre, in der die Dozenten vorgestellt werden. Um ein persönliches Betreuungsverhältnis überhaupt erst zu ermöglichen, trägt jeder Erstsemester ein Namensschild. Ein sehr einfaches und ebenso wirksames Mittel. Denn so prägen sich die Namen nach wenigen Wochen ein. Außerdem startet während der „Ersti-Woche“ das Tutorenprogramm des Fachbereichs: Die Studienanfänger werden von Studenten höherer Semester in kleinen Gruppen über das gesamte erste Semester hinweg betreut.

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- Die juristische Fakultät der Uni Halle.
- © Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Doch auch die Professoren selbst sind an der Betreuung der Erstsemestern beteiligt. Jedem Professor werden per Losverfahren 20 Studienanfänger zugeteilt, die sie dann ebenfalls über das erste Semester hinweg begleiten. Während des ersten Semesters trifft sich jeder Professor regelmäßig mit seiner Gruppe. Professor Lilie geht mit „seinen“ Erstsemestern beispielsweise in ein Kunstmuseum in Halle, auf ein Konzert und leitet eine Stadtführung mit juristischen Schwerpunkt. Darüber hinaus werden juristische Fachfragen für die Einsteiger geklärt: Wie lese ich eine BGH-Entscheidung? Welche Fachliteratur sollte ich mir kaufen? Aber auch allgemeinere Fragen – etwa zur Hochschulpolitik – stehen auf dem Programm: Weshalb lohnt es sich, zu einer Hochschulwahl zu gehen?
Das Projekt des Fachbereichs gibt es mittlerweile seit vier Jahren, und regelmäßige Evaluationen zeigen, dass es sehr gut bei den Studienanfängern ankommt. Die Studenten fühlen sich wohl an der Hochschule und akzeptiert. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn ich über den Campus gehe und persönlich von den Studenten gegrüßt werde“, so Professor Lilie.
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