• Sarah
  • 02. September 2011

Ein Brief Ich bin dann mal weg...

Sarah zieht von Würzburg nach Chemnitz. Dort wird sie ab dem Wintersemester 2011/12 Pädagogik studieren. Ein fiktiver Abschiedsbrief.

Wie sag ich's meinen Eltern?
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Wie sag ich's meinen Eltern?

Liebe Mama, lieber Papa,

ich schreibe euch aus einem ganz bestimmten Grund. Wir werden in Zukunft nicht mehr jeden Tag zusammen frühstücken. Nein, auch sonntags nicht, auch wenn das „immer so gemütlich ist, wenn die ganze Familie an einem Tisch zusammenkommt.“ Und Mama, deine selbst gemacht Marmelade werde ich immer diesen Süßstoff-versetzten Supermarktgelees vorziehen. Versprochen.

Dennoch habe ich einen Entschluss gefasst. Mama, Papa: ich mach rüber. Versucht nicht, mich aufzuhalten. Ich bin weg. Ja, Papa, ich habe mich gut informiert. Ich habe Bücher gelesen und Expertenmeinungen eingeholt. Ich bin die Wege mit dem Finger auf der Landkarte abgefahren und habe mich mit den örtlichen Gefahren vertraut gemacht. Ich bin gewappnet, es mit dem Osten aufzunehmen, mich einer Hochschule anzuvertrauen und meinen neuen Wohnsitz beim ansässigen Bürgeramt anzumelden.

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Ihr wollt jetzt bestimmt wissen, was mich zu dieser Entscheidung gebracht hat. Das ist ganz einfach: Achtzehn Jahre lang musste ich mir keine Gedanken machen um meine Ernährung, ich hatte stets ein Dach über dem Kopf und bei kleinen und größeren Problemen haben wir uns am Runden Tisch zusammengefunden, um den Ernst der Lage zu besprechen. Dieses Rundumpaket an Fürsorge möchte ich mir auch weiterhin gönnen. Bitte versteht mich nicht falsch: Meine zukünftige Hochschule wird euch, Mama und Papa, niemals den Rang abschlagen. Doch ich muss zugeben, sie geben sich wirklich große Mühe, uns den Abschied aus der elterlichen Nestwärme nicht allzu schwer zu machen: keine Studiengebühren, optimale Lernbedingungen – Hörsäle, Bibliotheken und Labore sind wirklich optimal ausgestattet, Papa – kleine Seminare und ein enges Verhältnis zwischen Lehrenden und Studenten. Erkennt ihr die Parallelen zwischen meinem bisherigen                                                         und meinem zukünftigen Leben?

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Ich werde mir ein Zimmer mieten und einmal am Tag eine warme Mahlzeit zu mir nehmen. Wenn ich in den Semesterferien keine Praktika machen muss, breche ich gen Heimat auf und komme euch besuchen. Und dann können wir am Sonntag auch wieder alle zusammen frühstücken. So wie früher.

Liebe Grüße
Eure Sarah
 

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