• Alexander Karasek
  • 27. Mai 2011

Abi 2011 Schule war gestern

Platzangst! Überfüllte Hörsäle oder Hysterie?
Glückwunsch! Dass du das Abi mit links packst, hast du also bewiesen. Und was machst du jetzt damit?

Schule war gestern. Und was machen wir morgen?
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Schule war gestern. Und was machen wir morgen?

Laut Statistik entscheiden sich fast 85 Prozent eines Abiturjahrgangs für ein Studium. Nur wo? Durch die Umstellung vom neunjährigen auf das achtjährige Gymnasium werden momentan in Bayern und Niedersachsen gleich zwei Jahrgänge mit der Schule fertig. Und nach Berechnungen der Kultusministerkonferenz wird die Zahl der Studienanfänger bis 2013 sogar noch steigen. Wie eng wird es in den Hörsälen wirklich? Wird der NC in Fächern wie Medizin und Jura höher ausfallen als bisher? Und wie sieht es mit freien WG-Zimmern aus?

Wer fernsieht oder Zeitung liest, kann leicht in Hysterie verfallen. Allerorts ist von Studentenbergen die Rede. Der „Focus“ spricht von einer „Flut“, die Deutschlands Hochschulen überschwemmt. Und vom drohenden „Kollaps“ des Systems.

Fakten, Fakten, Fakten

Doch auch wenn wir lieber auf dem Boden der Tatsachen bleiben, lassen sich einige Anzeichen nicht leugnen: In Erlangen haben Oberbürgermeister und Universitätsrektor die Einwohner dazu aufgerufen, Studenten aufzunehmen, da der Wohnraum knapp wird. Acht Mal so viele Studenten wie sonst werden dort zum Wintersemester erwartet. Mit mehr als doppelt so vielen Studienanfängern wie üblich hat das Sommersemester gerade an der Uni Würzburg begonnen. Und im malerischen Bamberg hat das Studentenwerk für den Ansturm der Erstis 50 Containerwohnungen eingerichtet.

„Soll ich in den Osten gehen?“

Nach Einschätzung von Sonja Kazma von der Arbeitsagentur Niedersachsen gibt es jedoch „keinen Grund zur Panik.“ Vorausgesetzt, die Studienanfänger verteilen sich bundesweit und schauen nicht nur vor der eigenen Haustür: „Wir raten dazu, mehrere Strategien parallel zu verfolgen. Das kann bedeuten, nicht nur das Wunschstudium, sondern auch verwandte Studiengänge in die Überlegungen einzubeziehen. Auch geografische Mobilität ist hilfreich, manch einer findet seinen Wunsch-Studienplatz, aber an einem anderen Ort als ursprünglich gedacht.“

Die Lösung liegt so nah – und scheinbar doch so fern: Denn die fünf neuen Bundesländer sollen und können zur Entlastung der bundesweiten Situation beitragen. Das schreibt der Hochschulpakt fest. Der aktuelle ZEIT Studienführer bringt es auf den Punkt: „In den Hörsälen muss man normalerweise nicht auf dem Boden hocken, viele der Hochschulen sind frisch saniert, und die Lebenshaltungskosten zwischen Rostock und Erfurt liegen im Schnitt immer noch deutlich niedriger als in den alten Bundesländern.“ Auch wenn es sich dabei um keinen Geheimtipp mehr handle, seien „die Verhältnisse in den neuen Ländern, obgleich etwas beengter als noch vor ein paar Jahren, immer noch paradiesisch.“

Willkommen in Fernost

Doch viele Abiturienten aus den alten Bundesländern bleiben im Westen. Lilith, frisch gebackene Abiturientin aus Weilheim in Oberbayern, hat 2010 an der „Rallye Fernost“ teilgenommen und kennt daher bereits einige ostdeutsche Hochschulen. „Meine Mitschüler denken zu eingeschränkt. Da wird’s natürlich eng“, meint die 18-Jährige. Mitschüler, die wie sie in Ostdeutschland studieren wollen, sucht sie derzeit an ihrer Schule vergeblich: „Die meisten denken gar nicht darüber nach. Deutschland besteht aber nicht nur aus einem Westteil.“ Nach einer Verschnaufpause in Frankreich und Spanien möchte Lilith in Leipzig Informatik studieren.

Unsere Tipps:

  • Zulassungsvoraussetzungen und Bewerbungsfristen für Studiengänge sind sehr unterschiedlich. Informiert euch rechtzeitig direkt bei den Hochschulen eurer Wahl.
  • Gerade „G8“-Abiturienten hatten oft wenig Zeit, durch Praktika und Ferienjobs Berufserfahrungen zu sammeln. Das bestätigen auch die Arbeitsagenturen und empfehlen, erst einmal herauszufinden, was dir liegt – und was eher nicht.
  • Oft ist es einfacher, in einen exotischen Studiengang reinzukommen als in ein NC-Fach. Überleg dir daher Alternativen zu deinem Traumstudiengang. Später kannst du immer noch wechseln und dir Leistungen anerkennen lassen.
  • Nutzt Beratungsangebote der ostdeutschen Hochschulen oder der Arbeitsagenturen bei euch vor Ort: Dort erhaltet ihr eine wirklich individuelle Beratung, die auf eure Stärken und Schwächen abgestimmt ist.

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