Abi 2011 - Schule war gestern Wie eng wird es wirklich? Das Experteninterview

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- Seit Anfang Mai bietet das neue Ranking von CHE Orientierung bei der Hochschulwahl.
Durch die Umstellung vom neunjährigen auf das achtjährige Gymnasium drängen 2011 wesentlich mehr Studieninteressierte in die Hochschulen. Ist die "Platzangst" vieler Abiturienten aus Ihrer Sicht berechtigt oder Hysterie?
Gunvald Herdin (CHE Consult): Prinzipiell waren die Hochschulen durch den Hochschulpakt darauf vorbereitet, dass es einen Ansturm geben wird. Für die erste Phase des Hochschulpaktes (2007-2010) wurden 91.000 zusätzliche Studienanfänger(innen) erwartet (im Vergleich zum Basisjahr 2005). Wir beobachten jedoch aktuell, dass diese Zahl zu niedrig war. Insgesamt haben in der ersten Phase des Hochschulpaktes über 182.000 zusätzliche junge Menschen in Deutschland ein Studium aufgenommen. Auch bei der Zahl der Abiturient(inn)en, die die Schulen verlassen haben, wurde – zumindest für das Jahr 2010 – ein zu geringer Wert erwartet. Gerade Bayern hat jedoch sehr viel in den Ausbau des Hochschulsystems investiert. Trotzdem wird es sicherlich in attraktiven Fächern und an attraktiven Standorten „voll“ werden.
In den neuen Bundesländern sieht die Situation deutlich entspannter aus. Werden die Westdeutschen in den nächsten Jahren mobiler?
Gunvald Herdin (CHE Consult): In den neuen Bundesländern werden in den nächsten Jahren deutlich geringere Studienanfänger(innen)zahlen erwartet. In kleineren Ländern, in denen es schon einen doppelten Abiturjahrgang gab (z.B. Saarland), konnte beobachtet werden, dass nicht nur absolut, sondern auch anteilig mehr Studienanfänger(innen) das eigene Land zur Aufnahme des Studiums verlassen haben, die Mobilität also gestiegen ist. Ähnliche Effekte kann man wohl auch in Bayern und Niedersachen erwarten.
Und wie wird sich das Ende der Wehrpflicht auf die Situation an den Hochschulen auswirken?
Gunvald Herdin (CHE Consult): Das Ende der Wehrpflicht ist eine Nachfragestauchung, ähnlich wie der doppelte Abiturjahrgang, jedoch in geringerem Umfang. Dieses verschärft den Studierendenansturm noch einmal besonders im Jahr 2011. Anders als bei dem doppelten Abiturjahrgang konnten sich die Hochschulen jedoch nur bedingt auf diese zusätzliche Nachfrage vorbereiten. Zudem kommt dieser Effekt natürlich zu einer denkbar ungünstigen Zeit, da mit Niedersachen und Bayern die ersten beiden großen Flächenländer einen doppelten Abiturjahrgang haben.
Ist bereits absehbar, welche Studienplätze besonders heiß umkämpft sein könnten und ob der NC im Vergleich zu den Vorjahren bei einigen Studiengängen besonders hoch ausfallen wird?
Gunvald Herdin (CHE Consult): Im Grunde haben alle Länder, in denen ein doppelter Abiturjahrgang ansteht, verschiedene Fächer stärker ausgebaut, als andere (insbesondere die MINT-Fächer wurden überproportional ausgebaut). Darüber hinaus wurden meist die Fachhochschulen stärker ausgebaut als die Universitäten. Besonders heiß umkämpft sein werden alle Fächer, die zentral vergebenen werden (z.B. Medizin & Pharmazie), aber auch diejenigen, die oft mit einem Orts-NC besetzt sind (z.B. BWL & Jura). Gerade in diesen Fächern wird der NC voraussichtlich noch einmal ansteigen.
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Gunvald Herdin arbeitet als Projektleiter bei der CHE Consult GmbH, einer Beratungsgesellschaft für Hochschulen, Wissenschaftsministerien und -organisationen.
Er befasst sich insbesondere mit dem Themenbereich des datenbasierten Hochschulmarketing. Dabei ist er für die Pflege, Aktualisierung und Weiterentwicklung des CHE Datenatlas, den Einsatz der daraus entstehenden Analysen sowie die Prognose von Studienanfänger(innen)zahlen verantwortlich.
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